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Die Transformation der Loveparade
 
 

Die Transformation der Loveparade
Das Techno-Event, die Fitness-Studio-Kette und die Vision der (Kultur-)Metropole Ruhr


Prof. Dr. Ronald Hitzler

Projektlaufzeit:
2006 - 2011

Kurzbeschreibung des Projekts:

Die Loveparade befördert nachgerade beispielhaft die Vision einer „Metropole Ruhr“, vor allem weil sie von ihrer ganzen Konzeption her global eine Metropolen-Veranstaltung war und ist (Berlin, Mexico City, Santiago de Chile, Tokyo, Tel Aviv, Wien, Kapstadt, San Francisco). Dass die Parade auf verschiedenen Strecken bzw. in verschiedenen (Teil-)Städten durchs Ruhrgebiet zieht, bringt deshalb auch den Menschen, die mit dem Umzug selber nichts zu tun haben (wollen), diese Metropolen-Vision durchaus näher. Und die Bedeutung dieses Events als Werbeträger für die Kulturhauptstadt 2010 (und für die Region schlechthin) ist ohnehin kaum hoch genug einzuschätzen: Sowohl aufgrund der Menge der Teilnehmer als auch, weil sie in mehreren Jahren weltweite Medien-Aufmerksamkeit auf das Ruhrgebiet lenkt, zählt die Parade zu den in mannigfaltiger Hinsicht herausragendsten Ereignissen der multiplen Aktivitäten rund um die Kulturhauptstadt 2010.

Diesen Aspekt der immensen ökonomischen und medialen Bedeutsamkeit haben die Veranstalter ‚von Anfang an‘ sehr direkt kommuniziert, und diese Dimension ist den  Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft des Ruhrgebiets auch klar gewesen, als sie dieses weit über die Belange einer zahlenstarken Jugendszene hinausweisende Event „mit offenen Armen“ aufgenommen haben. Gleichwohl verwandelt die Transformation der Loveparade auf ihrem Weg durchs Ruhrgebiet diese weit weniger von einem Szeneevent in ein Publikumsevent, als dies von Kritikern behauptet wird. Die Loveparade war, von den ganz frühen Jahren (1989 - 1991) einmal abgesehen, ‚schon immer‘ ein Publikumsereignis – allerdings mit einer klaren Ausrichtung an szenespezifischen Wichtigkeiten. Gegenwärtig findet nun eine allmähliche ‚Entfremdung‘ des Events von der Techno-Szene (im engeren Sinne) und deren Wichtigkeiten statt. D.h., die Parade wird weg entwickelt von der Herkunftsszene als dem Grundträger des Events, zu Gunsten von etwas Anderem, von etwas, das in einer Mischung aus starkem Bezug an wirtschaftlich-politischen Interessen der Kulturhauptstadt 2010 bzw. einer künftigen Ruhr-Kultur hie und  geschäftlichen Interessen der hinter dem neuen Veranstalter stehenden Studio-Kette „McFit“ da entsteht.


Anders ausgedrückt: Die – mit dem Bochumer (Wort-)Bruch 2009 (zunächst einmal) halbierte – in 2007 und 2008 realisierte und auf 2010 und 2011 projezierte „Geschichte“ der Loveparade im Ruhrgebiet ist die Geschichte der allmählichen Herauslösung eines Kult-Ereignisses aus immer mehr seiner ursprünglichen „idealistischen“ Implikationen und Konnotationen und seiner Überleitung und Wiederverortung in einem komplexen Rahmen „materialistischer“ unternehmerischer und stadtpolitischer Kalküle. Diese – entgegen allen bekannten Einreden und Kritiken – bislang als alternativlos erscheinende Transformation wird in dem hier annoncierten Projekt in seinen konkreten Abläufen und seinen strukturellen Bedingungen registriert, rekonstruiert und analysiert.

 
 
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