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| Modernisierung als Handlungsproblem | |||||||
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Modernisierung als Handlungsproblem Forschungsleitende Grundsätze Die Bezeichnung und die Programmatik des am Lehrstuhl für Allgemeine Soziologie der Universität Dortmund gesetzten Forschungsschwerpunkts ‚Modernisierung als Handlungsproblem’ ist Ausdruck des übergreifenden Erkenntnisinteresses und damit auch des wissenschaftlichen Selbstverständnisses der Mitglieder und Assoziierten dieser organisatorischen Einheit: Die Beobachtung des vielgestaltigen sozio-kulturellen Geschehens, in das die heterogenen Gegenstände spezifischer Forschungsaktivitäten je eingebettet sind, impliziert immer auch die Rekonstruktion der Strukturen von ‚Lebenswelten im Wandel’ – und rekurriert zugleich auf diese. Dergestalt beschreiben wir Formen sozialen Handelns unter den Bedingungen von (aktuellen) Modernisierungsprozessen und versuchen den (je typischen) Sinn dieser Handlungsformen zu verstehen, um so einen – bescheidenen – Beitrag zu leisten dazu, die Welt, in der wir leben, (sozial-) wissenschaftlich zu erklären. Der Begriff ‚Modernisierung’ bezeichnet dabei eine spezifische Form des sozialen Wandels – nämlich jene Form, in der ideen-geschichtliche Neuerungen publik gemacht, plausibilisiert und in eine mehr oder minder allgemeine soziale Praxis umgesetzt werden. Dieser Prozess verläuft keineswegs homogen und geradlinig. Er ist vielgestaltig, ungleichzeitig, verwickelt und oftmals widersprüchlich. So verstanden ist er auch nicht vollendbar oder gar vollendet, sondern prinzipiell unabgeschlossen und beginnt in mehr oder weniger umfassenden Schüben immer wieder sozusagen von Neuem. Nicht nur das, was derzeit in den Sozialwissenschaften als ‚andere’, ‚zweite’ bzw. ‚reflexive’ Moderne diskutiert wird, auch die sogenannte ‚Postmoderne’ ist in diesem Sinne ebenso Teil dessen, was wir analytisch ‚Modernisierung’ nennen, wie etwa die Wohlfahrtsstaatsentwicklung im 20., die Industrialisierung im 19. oder die politischen Konsequenzen der Aufklärung seit dem 18. Jahrhundert. Modernisierung in diesem Sinne lässt sich einerseits im Hinblick darauf betrachten, welche Veränderungen der institutionellen Rahmenbedingungen des Zusammenlebens sie mit sich bringt und wie sich infolgedessen das Verhalten der Menschen – von diesen mehr oder weniger unbemerkt – an diese Veränderungen anpasst. Diese Betrachtungsweise sieht Modernisierung vor allem als sozial-strukturelles Problem. Der Prozess lässt sich andererseits auch von daher betrachten, wie die Menschen ihn – sowohl engagiert als auch beiläufig – erleben, erfahren und handelnd erzeugen. Diese letztere Betrachtungsweise eben begreift Modernisierung vor allem als Handlungsproblem. Und dieses ganze Forschungskonzept ‚Modernisierung als Handlungsproblem’ basiert wiederum auf der Prämisse, dass Menschen in unserer gegenwärtigen Gesellschaft alltäglich eine Vielzahl von nicht aufeinander abgestimmten Um-Orientierungen vornehmen müssen, um am sozialen Leben teilhaben zu können. Denn zwar ist zumindest das öffentliche Leben nahezu total institutionell organisiert, aber der einzelne institutionelle Teilbereich verliert seine zweckrationale Bedeutung und seine symbolische Gültigkeit dort, wo er an die Grenzen des nächsten Teilbereichs stößt, weil keine Institution mehr als Metainstitution fungieren, d.h. hinlänglich verbindlich einen übergreifenden Sinn vermitteln kann. Folglich trifft der Einzelne tagtäglich auf eine Vielfalt von Sinnangeboten, unter denen er mehr oder minder frei (jedoch keineswegs ‚kostenlos’) wählen kann und wählen muss. Typischerweise bewältigt er diese komplexe Wirklichkeit dadurch, dass ihr ihm zuhandene Elemente entnimmt und daraus eine subjektiv sinnhafte Wirklichkeit konstruiert. Vereinfacht ausgedrückt: Er bastelt sein Leben zusammen aus Partizipationen an verschiedenen sozialen Teilzeit-Aktivitäten; er bindet sich immer wieder (mehr oder weniger freiwillig) ein in sozial vorgefertigte Handlungs- und Beziehungsmuster und internalisiert dabei die dort jeweils vorformulierten, begrenzten Weltdeutungsschemata. Er hat teil an unterschiedlichen, sozialen Kollektiven jeweils gemeinsamen, Perspektiven der Welterfahrung, die ihrerseits wieder Lösungen für seine – wie auch immer – durch etwelche Modernisierungsprozesse evozierten, typischen Handlungsprobleme in Aussicht stellen. Welche Probleme und Erkenntnisse die Analyse solcher Handlungsprobleme je konkret mit sich bringt, bzw. welche theoretisch-methodologisch-methodischen Lösungen für die Rekonstruktion vorkonstruierter Lösungsangebote in Betracht kommen könnten, das eben ist das generelle Rahmenthema am Lehrstuhl für Allgemeine Soziologie, das wir derzeit empirisch vor allem in den drei Schwerpunktbereichen Materiale Kultursoziologie, Berufs- und Wirtschaftssoziologie und Soziologie des Politischen bearbeiten. http://www.hitzler-soziologie.de/forschung.html
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