Reklamationskompetenz
Über Handlungsprobleme infolge von
Kommunikationsbarrieren beim Online-Shopping und Voraussetzungen für
deren Bewältigung
Projektleitung:
Prof. Dr. Michaela Pfadenhauer
Projektbearbeitung:
Dipl.-Soz.
Paul Eisewicht
Dipl.-Soz. Tilo Grenz
Projektförderung:
Deutsche Forschungsgemeinschaft
Projektlaufzeit:
April 2009 bis März 2011
Projektstandort:
Lehrstuhl für Soziologie - unter besonderer
Berücksichtigung des Kompetenzerwerbs
Institut für Soziologie / House of Competence (HoC)
Universität Karlsruhe / Karlsruhe Institute of Technology (KIT)
76128 Karlsruhe
Tel. +49 (0) 721 / 608-5413
Kurzbeschreibung des Projekts:
Thema
Thema des
Forschungsvorhabens sind die Handlungsprobleme, die sich beim bzw. aus
dem Internethandel für den Endverbraucher ergeben und ihn in der Folge
zum Reklamieren veranlassen. In diesem Rahmen interessieren uns vor
allem die individuellen Strategien zur Überwindung von
Kommunikationsbarrieren beim Internethandel. Kurz: wir fragen nach der
Reklamationskompetenz von Online-Shoppern.
Hintergrund
Das Internet hat einen vielfältigen Wandel im
Konsumverhalten evoziert. Um ‚erfolgreich via Internet einkaufen zu
können, eignen wir Konsumenten uns beiläufig eine Reihe neuer
Kompetenzen an: in verschiedenerlei Hinsicht – technisch, psychisch,
sozial – lernen wir, uns unseren Absichten und Wünschen entsprechend des
Mediums ‚Internet’ zu bedienen. Dabei befinden wir uns in einer
komfortablen Situation: fast alle Konsumartikel und die meisten
Dienstleistungen werden uns derzeit (noch?) auf herkömmliche Weise und
gleichzeitig via Internet angeboten. Vor diesem Hintergrund weist die
steigende Nutzung des Internets für Konsum darauf hin, dass damit einige
Vorteile für uns verbunden sind (Bequemlichkeit, Schnelligkeit,
zeitliche Ungebundenheit, große Auswahl, einfacher Preisvergleich,
Lieferung frei Haus, Anonymität usw.).
Problemstellung
Die Vorteile des Onlineshopping verwandeln sich
dann allerdings in ihr Gegenteil, wenn während dem Bestellvorgang oder
nach dem Kaufakt Probleme auftreten: dann z.B., wenn wir die Leistung
nicht oder nicht die Leistung bekommen, die wir haben wollten, wenn
diese im Umfang oder der Qualität vom Angebot oder unseren Vorstellungen
abweicht, wenn die Rechnung nicht korrekt ist, oder wenn sonstige
Ereignisse (auch persönlicher Natur, z.B. eine Änderung unserer
Präferenzen, unserer Lebenssituation usw.) eintreten, die dazu führen,
dass sich unsere Wünsche verändern oder gehegte Erwartungen nicht
erfüllen.
Ob wir uns in solchen Fällen zur beanstandenden Kommunikation mit dem
Anbieter, d.h. zum Reklamieren entscheiden, hängt von vielen Faktoren ab
– unter anderem davon, ob der Anbieter überhaupt eine Möglichkeit zur
Kontaktaufnahme vorgesehen hat, vor allem aber auch davon, ob wir uns in
der Lage sehen, unser Problem adäquat vorbringen und eine unseren
Präferenzen entsprechende Lösung durchsetzen zu können. Die
Reklamationsentscheidung hängt zum einen also von der Definition der
jeweiligen Situation, zum anderen von der Einschätzung der persönlichen
Voraussetzungen ab.
Unserer These nach treten beim Onlineshopping spezifische
Handlungs- und Kommunikationsprobleme auf, d.h. Probleme, die sich beim
herkömmlichen Einkaufen nicht oder nicht in der gleichen Weise stellen.
Denn der Internethandel sieht in der Regel eine hochgradig
formalisierte, d.h. auf bestimmte Eingabe- und Abfrageformate begrenzte
Kommunikation zwischen Anbieter und Kunde via Internet vor. Dem Kunden
werden mitunter (keineswegs jedoch immer) zwar auch andere
Kommunikationswege eröffnet; deren Brauchbarkeit ist aber nicht selten
zweifelhaft (z.B. aufgrund der Abschirmung durch Call Center, aufgrund
von Anrufwarteschleifen, von Postfach-Anschriften, Adressen von
Zwischenhändlern usw.).
Ziele
Vorrangiges Ziel
des Forschungsvorhabens ist es, die spezifischen Kommunikationsprobleme
des Kunden beim Onlineshopping systematisch herauszuarbeiten. Im
Weiteren fragen wir nach den Kompetenzen, die Konsumenten benötigen, um
diese Kommunikationsprobleme zu bewältigen, und welche (kommunikativen)
Lösungen sie hierbei entwickeln.
Kooperationen
Kooperationsvereinbarungen getroffen
wurden
-
zu ‚Onlineshopping’ mit Prof. Dr.
Sighard Neckel, Universität Wien, und Dr. Jörn Lamla, Universität
Gießen;
-
zu ‚Reklamation’ als
Kommunikationsproblem mit Prof. Dr. Gisela Brünner, Technische
Universität Dortmund;
-
zu Konsumsoziologie’ mit Prof.
Dr. Ronald Hitzler, Technische Universität Dortmund;
-
zu ‚Beschwerdemanagement’ mit Prof. Dr.
Hartmut Holzmüller und Dr. Patrick Lentz, Technische Universität
Dortmund;
-
zu ‚Modellierung von
Kommunikationswegen im Internet’ mit Prof. Dr.-Ing. Hans Martin und
Prof. Dr. Alexander Rossnagel, Universität Kassel.
Vorarbeiten
In einer Vorstudie zum geplanten
Forschungsprojekt wurden bereits existierende Untersuchungen zur
konsumspezifischen Internetnutzung auf unsere Fragestellung hin
gesichtet; erste Websites von Online-Shops im Hinblick auf
Usability-Aspekte generell, insbesondere aber auf
Kommunikationsmöglichkeiten und -hindernisse für Online-Shopper
analysiert; und eine standardisierte Online-Befragung von
Online-Shoppern zu ihren Erfahrungen mit Reklamationen und ihren
Erwartungen hinsichtlich Reklamationsmöglichkeiten bzw.
Reklamationsversuchen durchgeführt.